Weihnachten 2019

Für viele Veganer*innen ist Weihnachten, das sogenannte „Fest der Liebe“, ein Fest der bodenlosen Heuchelei. Sie erleben den Namen des Festes, die Berufung „auf die Liebe“, als hochgradig absurd, bizarr, als komplette Verdrehung von Sprache und Begrifflichkeit. Wo die Feiernden von „Liebe und Frieden“ sprechen, sehen viele Veganer*innen nur Grausamkeit.

Der zutiefst verinnerlichte Prozess der unfassbaren Gewalt gegenüber unschuldigen Individuen macht auch vor dem „Fest der Liebe“ nicht halt, an dem auch die meisten Menschen keinen inneren Widerspruch mehr zwischen ihrer Festtagsfreude und dem Horror der Schlachthäuser sehen, die gerade zu Weihnachten auf Hochtouren laufen. Hier wird der Begriff „Liebe“ zu einer hohlen, kaputten Phrase, für die man sich einfach nur fremdschämen muss.

„Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht!“
Doch, wer „wacht“ denn da so einsam?
Das Schwein, das wacht:
Traurig, in den engen Buchten der Mastfabrik.
Die Kuh, die wacht:
Enthornt, im dunklen, kalten Stall.
Das Kälbchen, das wacht:
Einsam, seiner Mutter entrissen, im Kälberiglu.
Die Gans, die wacht:
Gerupft, in einer schmutzigen Ecke.
Das Huhn, das wacht:
Federlos, in der überfüllten Legebatterie.

Der eklatante Mangel an Bereitschaft zu Mitgefühl und Empathie ist die Grundlage der weltweiten Verdrehung des Begriffs der Liebe in sein hässliches Gegenteil. Diesen Mangel zeigen diejenigen, die aktiv und blind durch ihren eigenen Konsum mit dazu beitragen, dass jährlich Milliarden Landtiere geschlachtet und Billionen Meeres- und Gewässertiere getötet werden.

Nicht nur die grausamen, endlosen Kriege gegen andere Menschen müssen ein Ende finden, sondern auch der endlose Krieg, der gegen die Tiere geführt wird. Tagtäglich tobt er in den Schlachthäusern, in den Ozeanen und in den Wäldern, doch die meisten Menschen verschließen ihre Augen und Herzen, obwohl bei der Flut von Berichten in allen Medien und sozialen Netzwerken beim besten Willen niemand mehr behaupten kann, er habe von diesem Krieg nichts gewusst: Ob es die (Massen-)Tierhaltung und die Transporte sind, das Blutvergießen in den Meeren, das Grauen der Pelz- und Lederindustrie, die feige Jagd auf wehrlose Lebewesen in den Wäldern, die qualvollen Tierversuche oder das Artensterben…

Vegan zu leben bedeutet, das System der unwürdigen (Massen-) Tierhaltung, der qualvollen Transporte und dem Grauen, das in den Schlachthäusern stattfindet, abzulehnen. Es bedeutet auch, keine Mitschuld mehr an dem Anteil der ökologischen Katastrophe für unseren Planeten zu tragen, den die milliardenfache Haltung und Tötung von Tieren, und dazu zählen genauso die Fische, verursacht. Das sind Fakten, die mittlerweile wissenschaftlich belegt und keine Vermutungen oder vage Behauptungen sind.

Deshalb:
Gerade zu Weihnachten können wir dem Begriff „Liebe“ seine Würde wiedergeben.
Gerade zu Weihnachten können wir für Gerechtigkeit sorgen.
Gerade zu Weihnachten können wir uns selbst, unseren Kindern und den jungen Menschen Glaubhaftigkeit vorleben.
Gerade zu Weihnachten können wir einmal authentisch sein und laut und deutlich sagen:
„Nein! Dieses Jahr lehne ich dieses Leid ab!“
„Nein! Schluss mit der Heuchelei. Da mache ich nicht mehr mit.“
„Nein! Dieses Jahr ändere ich mein Verhalten und behandele andere so, wie ich selbst behandelt werden will!“