Wer solche "Freunde" hat...

Der omnivore Tierfreund: Moralische Verwirrung in der Praxis.
Ich höre diese Botschaft mehrmals die Woche:
„Ja, NATÜRLICH esse ich Fleisch und dennoch bin ich ein engagierter Tierfreund. Das ist doch beides möglich. Wo ist das Problem?“ Meist folgt dann noch die immer gleiche, um Absolution winselnde Standardfloskel: „Aber ich esse wirklich sehr bewusst Fleisch und echt selten, ausschließlich vom Metzger meines Vertrauens, der jedes Tier namentlich kennt und es am Ende seines erfüllten Lebens maximal human seiner Bestimmung zuführt.“
Statt das erhoffte Lob auszusprechen („Super, was du dir für Gedanken machst!“), habe ich mir angewöhnt, den Begriff TierFREUND aufzugreifen, in etwa so:
„Für MICH ist ein Freund jemand, der mich mag, mir vertraut, mich genau so akzeptiert, wie ich bin. Jemand, der ehrlich zu mir ist, durchaus auch mal kritisch, mich aber nicht bevormundet, beschämt, täuscht oder in meiner Freiheit einschränkt. Jemand, der jederzeit für mich da ist, der mir gerade in schwierigen Zeiten zur Seite steht, mich gegen Angriffe jeder Art verteidigt, mir von ganzem Herzen für mein Leben nur das Beste wünscht und mir NIEMALS willentlich Schaden zufügt.
Wenn ich prüfen will, ob ICH mich zu Recht als Tierfreund bezeichne, wechsele ich einfach die Perspektive und frage mich, inwiefern die Tiere, deren Freund zu sein ich behaupte, das wohl auch so sehen. Dann wäre bei MEINEM Verständnis von Freundschaft sofort sonnenklar, dass Handlungen wie einsperren, zwangsbesamen, töten, zerstückeln und essen aus Sicht der Tiere definitiv nicht als Freundschaftsbeweis durchgehen.“
Nach einer kleinen Kunstpause frage ich dann neugierig nach:
„Was genau bedeutet wahre Freundschaft für DICH? Was unterscheidet dein Verständnis so sehr von meinem, dass es all die Gewalt verzeiht?“ (Armin Rohm)