Fine und der Kälbertransport

Wirst du dich an mich erinnern?

Ich bin namenlos.
Niemand wird sich an mich erinnern.
Ich bin kein Lebewesen.
Ich bin ein Ding.
Ich bin Ausschussware.
Ich bin die Realität.
Ich bin gerade eben erst geboren worden.
Nass und frierend liege ich auf dem harten Boden.
Meine Mama kommt und gibt mir einen Kuss.
Ich spüre ihren heißen Atem, als sie mein Fell trocken leckt.
Ich bin so froh, bei ihr zu sein.

Bei ihr fühle ich mich sicher.
Ich bin müde und schlafe ein.
Ich spüre einen harten Schlag auf meinem Rücken.
Es schmerzt so sehr, dass ich kaum Luft bekomme.
Dann noch einen Schlag.
Ich komme mühsam auf die Beine, knicke jedoch wieder ein.
Jemand packt mich und wuchtet mich hoch.
Ich höre das laute, verzweifelte Rufen meiner Mama, das ich nie wieder in meinem kurzen Leben vergessen werde.

Panisch und ängstlich schreie ich nach ihr.
Irgendjemand tritt mir fest in meinen Magen.
Vor Schmerzen muss ich weinen.
Das muss die Hölle sein.

Ohrenbetäubender Lärm.

Ich habe furchtbare Angst.
Um mich herum stehen ganz viele von meinen Freunden.
Wir werden eng zusammengepfercht.
Es ist eiskalt.
Ich zittere.
Schneidender Wind zerrt an meinem kleinen, dünnen Körper.
Ich habe schrecklichen Hunger.
Ich habe großen Durst.
Ich weiß mir nicht zu helfen und nuckel an einem Eisengestänge, doch es ist nicht meine Mama.
Ich bin so müde.

Ich kann mich nicht hinlegen.
Es ist zu eng.
Ich sehe große, sanfte Augen, die vor Entsetzen weit aufgerissen sind.
Manche meiner Freunde sind zu schwach.
Sie knicken immer wieder ein.
Andere liegen mit gebrochenem Blick regungslos am Boden.
Sie haben es nicht geschafft.
Nach unendlich vielen Stunden bleibt die Welt stehen.
Die Verladerampe geht herunter.
Meinen Freunden und mir werden die Schwänze schmerzhaft verdreht, man reißt uns an den Ohren und am Fell, uns wird ins Gesicht getreten.
Unter weiteren Schlägen werden wir aus dem Lastwagen hinausgetrieben und landen in einer riesigen Fabrikhalle.
Es wird Tag.
Es wird Nacht.
Es wird Tag.
Es wird Nacht.
Unzählige Male.
Dann holt mich jemand.
Ich spüre ich es.
Ich werde sterben.
Ich denke an meine Mama und an ihren warmen Kuss.
Es tut sehr weh.
Es wird dunkel.
Für immer.
Mein sinnloses Leben ist vorbei.

 

Diese Zeilen sind allen Kälbern gewidmet, die als Babys von ihren Müttern getrennt, eingepfercht zur Mast transportiert und dann getötet werden.

Mitunter müssen sie eine Fahrt von 2500 km und 90 Stunden überstehen.

Genau darüber gibt es einen 5minütigen Film, den ich euch ans Herz lege.

Ihr findet ihn am Ende dieses Posts.

Es sind doch noch Kinder, gerade eben erst geboren.

Allein 2014 wurden  320300 Kälber getötet.

Eine unvorstellbare Zahl!

 

Hier der Link zur Kälbertransport - Recherche der österreichischen Organisation "Verein gegen Tierfabriken."


 P.S. Dieser Text ist nicht Inhalt des Buchs "Max & Fine".

"Max & Fine" ist so konzipiert, dass die Geschichte auch nach dem großen Abenteuer, das die Hauptprotagonisten Luise, Max & Fine zusammen erlebt haben, und das in dem Buch erzählt wird, hier im Blog (sowie auch auf der FB Seite) weitergeht. Manchmal sind es Erlebnisse, die zum "Kuhniversum" gehören, manchmal sind es leckere Rezepte oder einfach kleine Anekdoten. Manchmal sind es auch ernste Texte, wie dieser hier.

Das Anliegen ist, die Menschen auf Problematiken aufmerksam zu machen, die tatsächlich so geschehen.