Fine & die Anbindehaltung

DIE MILCH MACHTS! WAS DENN? DAS DA!
Stell dir vor, irgendjemand, den du nicht kennst, hat dich am Hals oder an den Schultern mit fürchterlichen Dingen, die „Grabnerkette“, Selbstfanggitter,“ oder „Zentralgelenkhalsrahmen“ heißen, festgebunden.
 Du bist dadurch tagaus - tagein mit deinem ganzen Körper an ein - und denselben Platz fixiert.
Du stehst auf deinen Beinen, und wenn du müde bist, legst du dich, mit der Fixierung an deinem Körper, zu Boden, und auch wenn du aufs Klo musst, kommst du nicht raus.

Du kannst dich weder umdrehen, noch herumlaufen.
Oftmals stehst oder liegst du so das ganze Jahr über dort, auf diesem hartem Betonboden, und langsam tun dir alle Knochen weh.
Schrecklich, oder?
Denn eigentlich bist du bewegungsfreudig, gesellig, klug und neugierig.
Doch dein Sozialverhalten beschränkt sich auf die ein bis zwei Nachbarn, die längsseitig parallel zu dir stehen, ein natürliches Verhalten, bei dem ihr euch richtig anschauen, anfassen und auch mal streiten könnt, ist dadurch nicht möglich.
Die optischen Reize beschränken sich auf das immer gleiche Umfeld, du blickst nicht selten nur vor eine Wand und stumpfst ab, wirst traurig und nicht selten wünschst du dir, einmal den blauen Himmel zu sehen, die frische Luft zu spüren und in die Sonne zu blinzeln.
Willkommen in der Anbindehaltung.
„Im Jahr 2010 wurden noch rund 1,3 Millionen von circa 4,8 Millionen Milchkühen in Anbindeställen gehalten.

Laut Schätzungen der "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter e. V." soll diese Zahl bis heute (06/14) auf etwas weniger als eine Million geschrumpft sein, berichtet der Informationsdienst "aid".
Vor allem in kleinen Betrieben - vornehmlich in Bayern und Baden-Württemberg - sei die Anbindehaltung vermehrt zu finden.
Seit Anfang 2014 ist die Anbindehaltung in der ökologischen Landwirtschaft verboten!

Ausnahmen:

Seit dem 1. Januar 2014 müssen alle Biobetriebe, die ihre Rinder weiter in Anbindung halten wollen, zusätzlich zur Sommerweide gemäß VO (EG) Nr. 889/2008 im Winter regelmäßigen Freigeländezugang zur Verfügung stellen. Dabei müssen sie den Anforderungen der sogenannten "Kleinbetriebsregelung" nach Art. 39 entsprechen. Die Anforderungen dieser "Kleinbetriebsregelung" sind nicht bundesweit einheitlich festgelegt. Die Definition eines kleinen Betriebes kann jeder Mitgliedsstaat selbst in Abhängigkeit von seinen regionalen Besonderheiten festlegen, weshalb es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche GVE-Obergrenzen gibt.

Generelle Mindestvorgaben für den Auslauf:

  • Im Sommer Weidegang von Mai bis Oktober
  • Winterauslauf mindestens zweimal pro Woche bei einer Auslaufdauer von mindestens einer Stunde

Quelle: Oekolandbau.de

Doch es gibt auch schwarze Schafe: Animals´ Angels Recherche
Ein Verbot der Anbindung in der konventionellen Rinderhaltung soll erst 2020 in Kraft treten.

Quelle: Agrar Heute

Mehr Informationen gibt es z.B. auf Wikipedia

 

Mein Vater blickte mich an.

Er hatte mir einen Artikel aus einem Webblog vorgelesen.

"Zum Glück ist Anbindehaltung vom Aussterben bedroht, Fine.

Doch nichts rechtfertigt dieses Verhalten, das der Mensch dem Tier gegenüber an den Tag legt.

Nichts!

Wie gut, dass immer mehr Menschen aufwachen und sehen, dass das Tier nicht unter dem Menschen, sondern neben dem Menschen steht!", ergänzte er wütend.

"Und nur wegen der Milch, Papa?"

Er nickte.

"Und wegen des Fleischs! Du kennst ja die Verbindung!", fügte er hinzu.

"Wie gut, dass es Max & Luise besser haben und auch die Kühe, die noch bei Herrn Karl leben, leben jetzt auf seinem Hof in Freiheit.", sagte ich leise.

Ich zog mich an und ging nachdenklich zu meinen beiden Freunden, die mich freudig begrüßten.

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich später sah, wie sie über die Weide tobten.

Alles Liebe.

Eure Fine.

 

P.S. Dieser Text ist nicht Inhalt des Buchs "Max & Fine".

"Max & Fine" ist so konzipiert, dass die Geschichte auch nach dem großen Abenteuer, das die Hauptprotagonisten Luise, Max & Fine zusammen erlebt haben, und das in dem Buch erzählt wird, hier im Blog (sowie auch auf der FB Seite) weitergeht. Manchmal sind es Erlebnisse, die zum "Kuhniversum" gehören, manchmal sind es leckere Rezepte oder einfach kleine Anekdoten. Manchmal sind es auch ernste Texte, wie dieser hier.

Das Anliegen ist, die Menschen auf Problematiken aufmerksam zu machen, die tatsächlich so geschehen.