Fine schaut WM

Liebe Freunde!
Die letzten zweieinhalb Wochen hatte ich echt viel um die Ohren:
Zuerst waren meine Großeltern aus Wien zu Besuch, mit denen wir viele Ausflüge unternommen haben.

Sie staunten nicht schlecht, als ich ihnen Luise und Max vorstellte und freundeten sich schnell mit ihnen an.
Dann hielten mich die Tage in der Kita ganz schön auf Trab, doch jeden Nachmittag, wenn ich mit meinem Fahrrad nach Hause geradelt kam, begrüßten mich Luise und Max am Gartenzaun.

Ich bemerkte, dass Max immer größer wurde und Luise schon fast bis zum Bauch ging.

„Na, ihr beiden. Was treibt ihr so?“, wollte ich wissen und schielte zu meinem Gemüsebeet, dass ich unbedingt mal wieder gießen musste.
„Dies und das, Fine!“, antwortete Max, doch ich wußte, das etwas im Busch war.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich ein wenig besorgt.
Max schaute mich aus seinen blauen Augen an und schnaubte:
„Fine! Hast du denn nicht mitbekommen, dass Fußball - Weltmeisterschaft ist?“
Ich nickte.
„Mama, Papa und ich haben schon zwei Spiele gesehen. Doch ich muss zugeben, dass ich die Regeln nicht verstehe.“, gab ich zu.
„Das ist ganz einfach, Fine. Ich erkläre dir die Regeln, wenn wir heute Abend das Spiel sehen dürfen.“, muhte Max leise.
„Max hat vor einigen Tagen im hohen Gras einen Fußball gefunden, den wohl irgendjemand dort liegen gelassen hat. Seitdem kickt er den halben Tag den Ball von einem Ende der Weide zur anderen. Sogar als wir heute morgen ins Dorf spaziert sind, hatte er ihn dabei. Die Leute haben nicht schlecht gestaunt."

Luise lachte, als sie das erzählte und auch ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Max grinste breit.
„Na, ihr Drei! Was heckt ihr schon wieder aus?“ Plötzlich stand mein Papa hinter uns.
„Ach, Papa. Nix besonderes. Ich unterhalte mich mit Luise und Max.“
Doch dann kam mir eine Idee:
„Papa, haben wir vielleicht noch einen zweiten Fernseher, den ich mir ausleihen könnte?“
Ich zwinkerte Max zu.
„Wozu das denn?“, fragte mein Papa mich.
Ich erklärte ihm, dass ich gerne mit meinen beiden Kuhfreunden Fußball schauen würde.
„Aha!“, sagte er nur, blickte Luise, Max und mich verwundert an und kratzte sich am Kopf.
„Warte mal einen Augenblick.“

Und weg war er.
Nach ein paar Minuten kam er wieder. Unter dem Arm trug er einen viereckigen Kasten, der oben zwei silberne Stöcke hatte.
Der Kasten war ziemlich verstaubt.
„Der lag noch auf dem Dachboden, Fine. Unser alter Fernseher, den deine Mama und ich hatten, als wir jung waren. Wo soll ich ihn den hinstellen?“
Ich überlegte: „Wir könnten doch in der kleinen Scheune schauen, oder haben wir da keinen Strom?“
„Strom könnte ich dort hin verlegen, Fine, das ist kein Problem.“ Ich fiel meinem Papa um den Hals und küsste ihn dankbar auf die Wange.
Wir liefen gemeinsam in die kleine Scheune am Bach, in der Luise und Max wohnten.
Papa stellte den Fernseher auf den Heuboden.

Die beiden silbernen Stöcke stellten sich als Antennen heraus, die man hin und her drehen konnte, damit der Empfang des Fernsehbildes stimmte.
Luise und Max hatten sich in das frische Stroh gelegt und schauten uns erwartungsvoll an.
Wieder verschwand mein Papa und kam mit einer Kabeltrommel in der Hand zurück.
„So! Hier ist das Stromkabel. Wollen wir doch mal sehen, ob das alte Ding noch läuft.“
Er steckte den Stecker des Fernsehers in die Trommel, drückte den „An - Schalter“ und....nichts!
„Mmh!“, machte er und sah den Fernseher ratlos an.
Dann drückte er noch einmal.
Wieder nichts!
„Hast du vergessen, wie man den Fernseher zum laufen bringt, Sebastian?“
Meine Mutter stand unbemerkt in der Scheunentür.
Mama und Papa waren ganz schöne Schleicher.
„Einmal links klopfen, dann zweimal oben und: Voilà!“, sagte sie lächelnd.
Sie lief zum Kasten, klopfte einmal links, zweimal oben und drückte noch einmal auf den „An - Knopf“.
Und siehe da: Der schwarze Bildschirm wurde erst grau, dann baute sich ein Bild auf und ich sah Micky Maus, wie sie auf einer Wiese herumspazierte.
Luise gluckste und Max schnaubte. Beiden gefiel das Programm sehr.
„Wie konnte ich das nur vergessen!“, lachte mein Papa und umarmte meine Mama, die ihn in die Seite stupste: ,„Weißt du noch? Als ich anfing zu studieren, hat mein Vater ihn mir geschenkt. Da haben wir immer „Ein Colt für alle Fälle“ und „Trio mit vier Fäusten“ drauf geschaut. Haha, das waren noch Zeiten!“ Sie küssten sich. „Ähm!“, sagte ich. Ich wollte meinen Eltern nicht beim küssen zugucken. „Könnt ihr das nicht woanders machen?“, fragte ich sie ein wenig genervt. Daraufhin lachten sie noch mehr und meine Mama drehte an den beiden Antennen herum, bis das Bild stimmte.
„Also, der Fernseher läuft schon mal. Jetzt braucht ihr noch eine Erfrischung. Hier drin ist es furchtbar stickig. Ich bereite etwas vor, ihr werdet staunen.“ sagte sie, ging zu den beiden großen Scheunentoren und stieß sie mit einem kräftigen Schubs auf.
Dann waren die beiden auch schon weg.
„Du hast tolle Eltern, Fine!“, muhte Luise anerkennend.
Ja, das stimmte. Auch wenn sie manchmal seltsam waren, waren es die besten Eltern der Welt.
Ich streichelte Luise über den Rücken: „Wann kommt denn das Fußballspiel, Max?“
„Ich glaube, da müssen wir uns noch ein paar Stunden gedulden. Aber wie versprochen erkläre ich dir jetzt die Regeln.“
Wir liefen raus auf die Weide und während wir Richtung Bach gingen, brachte  Max mir die wichtigsten Regeln bei. Es war gar nicht so schwer. Schon nach einigen Minuten hatte ich sie verstanden.
Am Ufer des Baches lag ein Ball.
„Mein Fußball!“, muhte Max laut, galoppierte mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit davon und kickte den Ball meterweit durch die Luft in Richtung der anderen Kühe, die neugierig von der Weide näher kamen. Schon war der Ball im Spiel und eine kleine Rangelei kam in Gang, mittendrin Max, der den Ball geschickt hin und her jonglierte.
Das Rund verlor sich zwischen vielen Beinen und die Meute entfernte sich muhend und schnaubend in der Ferne.
Ich konnte kaum glauben, was ich sah.
Fußballspielende Kühe?
„Wir mögen Bälle sehr gerne und sind recht flink auf den Beinen, wenn wir wollen!“, sagte Luise und schmiegte sich an mich.
„Danke, dass du damals..!“
„Pst!“ Ich hielt ihr den Mund zu.
Sie blickte mich verwundert an.
„Du darfst doch nichts verraten, sonst wissen doch die Leser schon alles. Unser Buch kommt doch erst demnächst raus!“
Luise lächelte. „Stimmt! Das hatte ich ganz vergessen!“
Wir setzten uns ans Ufer, hörten dem Gemurmel des Baches zu und hingen unseren Gedanken nach.
Nach einiger Zeit kam Max zurück.
Er war ziemlich außer Atem, sah aber sehr glücklich aus.
Zum abkühlen legte er sich ins feuchte Nass und trank erst einmal einen großen Schluck Wasser.
Plötzlich schreckte uns ein lautes Geräusch auf.
Es hörte sich wie eine Horde jubelnder Menschen an.
„Wir haben die Zeit vergessen, das Spiel fängt an“, rief ich und sprang auf.
Auch Luise und Max waren sofort auf den Hufen und so rannten wir eilig in die Scheune zurück.
Dort angekommen konnte ich wieder kaum glauben, was ich sah, denn die Scheune sah nun völlig anders aus:
Jemand hatte Wimpel an einer Leine befestigt und diese quer durch die Scheune gespannt.
Links vom Fernseher stand etwas Grünes. Was war das denn?
Ich ging näher heran, während Luise und Max sich ins Stroh fallen ließen und gebannt auf den Bildschirm starrten.
„Das ist ein Melonengrill, Fine!“
Meine Eltern saßen auf einem Heuballen und grinsten mich an.
„Was ist denn ein Melonengrill?“, wollte ich wissen.
„Die Melone ist der Grill, Fine. Der Rost, der oben drüber liegt, besteht aus großen Holzspießen, die in die Seite eingelassen sind. Und auf den großen Holzspießen liegen wiederum kleine Stäbchen, auf denen Obst aufgespießt ist. Ich wollte das schon lange einmal ausprobieren und heute war der richtige Zeitpunkt dafür!“, erklärte meine Mama.
Ich gab meiner Mama einen dicken Kuss und umarmte sie fest.
Dann legte ich mich zwischen Luise und Max und schaute mir gespannt das Fußballspiel an.
Max, der rechts neben mir lag, beugte sich zu mir hinüber und flüsterte muhend:
„Weißt du woher ich die Regeln kenne?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Woher denn, Max?“
„Manchmal laufe ich mit Mama herum und gestern kamen wir auch zum Fußballplatz, gleich hier hinter dem kleinen Wäldchen hinter der Weide und da habe ich jemanden belauscht, der das Spiel den Jungs und Mädchen erklärt hat, die dort bei einem Fußballspiel zuguckten. Weißt du, Fine!“, er lächelte leicht. „Wir Kühe sind ganz schön schlau und bekommen alles genau mit. Leider wissen das die Menschen oft nicht!"
Ich glaube, ich war in dem Moment das glücklichste Mädchen der Welt, dass ich meine beiden Kuhfreunde hier bei mir hatte und wir ein spannendes Fußballspiel schauen konnten.
„Toooooor!“, rief mein Vater unvermittelt und riss mich aus meinen Gedanken.
Für wen?
Nun, das werdet ihr ja heute Abend sehen.
Bis Bald.
Eure Fine.
P.S.
Hier noch die Anleitung von meiner Mama für den Melonengrill:
Dafür braucht ihr:
1 Wassermelone
30 Gemüsepieße
Obst für die Fruchtspieße:

Rote und Grüne Trauben, Kiwi, Bananen, Mangos, die ausgehöhlten Stücke der Wassermelone, andere Melonensorten, Ananas...
Eine Handvoll Brombeeren oder rote Trauben für die Grill"kohle"
3 dicke Möhren für die Grillbeine
1 Radieschen für den Grilldeckel
Zunächst die Wassermelone durchschneiden und zwar im Verhältnis 1/3 zu 2/3.

Der kleinere Teil wird später der Deckel. Da der mit nur zwei Spießen gehalten wird, sollte er also nicht zu groß sein.
Nun beide Melonenteile gut aushöhlen (und den Saft immer wieder abgießen), am besten mit einem Eisportionierer oder Löffel, um ein paar runde Kugeln zu erzeugen, die sich wunderbar auf die späteren Spieße ziehen lassen. Ein bisschen rotes Melonenfleisch sollte in den beiden Hälften allerdings, der Optik wegen, noch sichtbar sein.

Aber: je mehr ausgehöhlt wurde, desto leichter ist das ganze und je stabiler wird es nachher.
In die kleinere Melonenhälfte kann nun mit einem Gemüsespieß oben außen in die Mitte ein Radieschen gesetzt werden, so dass der Grilldeckel schon mal fertig ist.
Die andere ausgehöhlte Melonenhälfte nun auch umdrehen und von der Mitte an ca. zwei Finger breit Platz lassen und drei Löcher (in der Anordnung eines Dreiecks) bohren. Das geht am besten mit einem Apfelentkerner oder mit etwas Geduld und einem scharfen Messer.

Weggeschnitten werden sollte nur die grüne Schale und etwas von dem weißen Fleisch, damit später die Möhren hineingesteckt werden können.
Nachdem die Löcher gebohrt sind, die Melone wieder umdrehen und mit einer Gabel etwas unter dem Rand kleine Löcher für den Grillrost bohren. Die Löcher sollten auf der anderen Seite parallel gestochen werden, damit die Gemüsespieße gerade durch gesteckt werden können.

Dann die Hälfte mit einer Handvoll roter Trauben/Brombeeren füllen und in jedes zweite Loch einen Gemüsespieß durchschieben.
Nun drei Möhren auf die gleiche Länge schneiden und jeweils eine Seite anschneiden, so dass sie in die vorgeschnittenen Löcher passen.

Kleiner Tipp: Je kürzer die Möhren sind, desto stabiler ist der Melonengrill später.
Nun den Grill nochmals umdrehen (durch die eingesteckten Spieße sollten die Früchte nicht herausfallen können) und die drei Möhren in die Löcher stecken.

Je nach Standfestigkeit gegegbenfalls nochmal fein nacharbeiten oder kürzen.
Steht das Unterteil des Grills stabil, kann der Deckel durch zwei weitere Gemüsespieße rechts und links festgehängt werden.
Nun das Obst in jeweils gleicher Reihenfolge auf die Spieße ziehen, evtl. mit Zitronensaft einpinseln und den Grill damit belegen.
Für den Vorrat oder zur Dekoration können weitere daneben gelegt werden.

 

Gefunden hat meine Mama das HIER