Fine backt eine Donauwelle

Liebe Freunde.
Ich freue mich so sehr, denn morgen kommen die Eltern meiner Mama, meine Großeltern, zu Besuch.
Ich habe beide erst einmal in meinem Leben gesehen, aber daran kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern.
„Du warst noch sehr, sehr klein, Fine, als sie uns das letzte Mal besucht haben. Sie wohnen weit weg, weißt du!“, sagte meine Mama und lächelte.
„Wo wohnen sie denn, Mama?“, wollte ich wissen.
„Sie wohnen in einer Stadt, die Wien heißt. Das ist in Österreich. Österreich ist ein Land, das an Deutschland grenzt. Dein Papa und ich haben geplant, bald einmal dorthin zu fahren.“
Ich war begeistert:"Oh, toll. Kann ich mit?“

Mama lachte und strich mir über mein Haar. „Natürlich kommst du mit! Aber Luise und Max müssten dann hier bleiben, Fine. Im Auto ist leider kein Platz für sie.“ Jetzt musste ich auch lachen, denn ich stellte mir vor, wie Luise und Max, meine beiden besten Kuhfreunde, im Auto saßen, ihre Köpfe aus dem Fenster hielten und sich den Fahrtwind um die Nase wehen ließen.
Mietze, unsere kleine Katze, kam auf Samtpfoten heran geschlichen und legte sich auf den freien Korbsessel, der neben mir stand.

Sie zwinkerte mir zu und gähnte herzhaft.
„Ich hatte eine lange Nacht, Fine, ich schlaf erstmal eine Runde.", miaute sie und schloß ihre Augen.
Es war noch früher Samstag morgen und wir saßen beim Frühstück.
Die Sonne schien schon warm vom Himmel und es würde wieder ein schöner Tag werden.
Mein Papa war mit meinem kleinen Bruder Felix beim Arzt. Felix hatte gestern Nacht leichtes Fieber bekommen.

Es war aber nichts schlimmes, worüber wir uns Sorgen machen mußten.
„Was hältst du davon, wenn wir Oma und Opa einen Kuchen backen?“, schlug Mama vor.
Ich war gleich Feuer und Flamme, denn Kuchen backen gehörte zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.
„Au ja!“, rief ich laut, so dass Mietze im Schlaf ihre Ohren aufstellte.
„Was denn für einen Kuchen, Mama?“
„Es gibt einen Kuchen, der ´Donauwelle´ heißt. Die Donau ist ein großer Fluß, der durch Wien fließt und ich dachte, das passt ganz gut, da Oma und Opa ja auch dort wohnen.“
„Donauwelle?  Das ist aber ein lustiger Name für einen Kuchen. Ich hoffe, er schmeckt nicht nach Wasser, Mama!“
Wieder musste meine Mama lachen. „Nein, Fine. Er schmeckt nicht nach Wasser. Die Donauwelle besteht aus einem weißen und einem dunklen Teig. Zuerst wird der dunkle und dann der weiße Teig auf ein Backblech gegossen. Deshalb entsteht eine wellige Struktur im fertigen Kuchen, wie man später an der Schnittkante erkennen kann. Etwa so ähnlich wie bei Marmorkuchen. Daher kommt der Name ´Donauwelle´.

Er hat auch noch einen anderen Namen: Schneewittchenkuchen.“
„Schneewitchenkuchen?“, echote ich.
„Kannst du dich an das Märchen erinnern, das ich dir letzte Woche vorgelesen habe?“, fragte sie und nahm einen Schluck Kaffee. Ich nickte. „Und Schneewittchens Haut war weiß wie Schnee, ihre Lippen rot wie Blut und ihre Haare dunkel wie Ebenholz.

Und so sieht auch die Donauwelle aus, wenn sie lecker duftend aus dem Ofen kommt.“
Obwohl ich vom Frühstück ziemlich satt war, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ich konnte es kaum abwarten.
Also räumten wir schnell den Tisch ab und liefen in die Küche. Mama legte alle Zutaten bereit:

 

Zutaten für 1 Backblech ( zirka 20 Stücke)
1 Liter Hafermilch
3 Packungen Vanillepuddingpulver
250 Gramm Rohrzucker
150 Milliliter kalte Sojaschlagsahne

1 Päckchen Sahnefest
2 Gläser Schattenmorellen
250 Gramm weiche Pflanzenmargarine
Meersalz
500 Gramm Mehl ( Typ 550)
15 Gramm Backpulver
4 Esslöffel Sojamehl
5 Esslöffel Kakaopulver
250 Gramm Zartbitterschokolade

Zubereitung:
45 Minuten PLUS 30 Minuten Back - und 2 Stunden Kühlzeit
100 Milliliter Hafermilch mit Vanillepuddingpulver mischen.
Restliche Hafermilch mit 150 Gramm Rohrzucker aufkochen.
Puddingmischung mit einem Schneebesen einrühren, kurz aufkochen.
Beiseite gestellt abkühlen lassen und gelegentlich umrühren, damit sich keine Haut bildet.
Den kalten Pudding 15 Minuten in den Gefrierschrank stellen.
Sojaschlagsahne aufschlagen und löffelweise unter den kalten Pudding heben.
Backofen auf 180 Grad Celsius Ober - / Unterhitze vorheizen.
Schattenmorellen in einem Sieb abtropfen lassen.
Weiche Margarine mit 100 Gramm Rohrzucker schaumig schlagen.

1 Prise Meersalz, Mehl, Backpulver, Sojamehl und 290 Milliliter Wasser dazugeben und mit dem Handrührgerät
zu einem glatten Teig verkneten.
Backblech mit Backpapier belegen und die Hälfte des Teigs gleichmäßig darauf verstreichen.
Kakaopulver unter den restlichen Teig rühren und auf den hellen Teig streichen.
Mit einer Gabel Kreise durch den Teig ziehen, um eine Marmorierung zu erhalten.
Kirschen auf dem Teig verteilen und leicht eindrücken.
Teig zirka 30 Minuten auf der mittleren Schiene im heißen Backofen backen.
1 Stunde abkühlen lassen.
Vanillecreme auf dem Teig verteilen, 20 Minuten kühl stellen.
Schokolade mit einem Messer grob hacken, über einem Wasserbad bei mittlerer Hitze
schmelzen lassen.

Dafür in einem Topf etwas Wasser zum Kochen bringen.
Die Schokolade in einer Metallschüssel über dem Wasserbad bei mittlerer Hitze
schmelzen lassen. Die Schüssel darf das Wasserbad nicht berühren.
Schokolade mit einem Löffel oder Küchenschaber auf der Creme verteilen und
mit einer Gabel ein Wellenmuster ziehen.
Erneut 10 Minuten kühl stellen.
Fertig!

Als der Kuchen duftend aus dem Ofen kam, wollte ich schon ein Stück probieren, doch das war natürlich nicht drin, da er ja für Oma und Opa bestimmt war.
Da hörten wir, wie Papa mit Felix nachhause kam.

Wir liefen eilig zur Haustür, um die beiden zu begrüßen. Felix schlief tief und fest in Papas Arm.
Papa ging nach oben und legte ihn in sein Bettchen.
Als er wieder nach unten kam, sagte er: „Seine Temperatur ist schon wieder gesunken. Er braucht nur ein wenig Schlaf und dann wird es ihm wieder besser gehen.“ Er gab mir und meiner Mama einen Kuß.

„Mmh, hier riecht es aber toll. Habt ihr gebacken?“
„Donauwelle für Oma und Opa! Die können wir aber leider erst morgen essen.“, sagte ich bedrückt.
„Oh, ich hätte Lust, sofort ein Stück zu verdrücken, so wie das schon riecht.“
Mein Papa setzte ein flehendes Gesicht auf, das meine Mama zum Kichern brachte.
„Na, gut, ihr Naschkatzen. Essen wir den Kuchen und backen dann einfach noch einen!", gab sie nach.
„Hurra!“, rief ich.
Der Schneewittchenkuchen schmeckte so toll, das ich nie wieder etwas anderes essen wollte und Mama hatte recht:

Der Kuchen sah aus wie eine Welle in einem Fluß.
Ich wette, er wird euch auch schmecken. Probiert es doch mal selber.
Bis Bald!
Eure Fine.